Die Weltwirtschaft schrumpft rapide

Handelskrieg, Brexit, und Spannungen im Golf: Der Internationale Währungsfonds sieht erhebliche Risiken für das weltweite Wachstum.

IWF senkt Wachstumsprognose erneut.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zum dritten Mal in diesem Jahr seine Vorhersage für das Wachstum der Weltwirtschaft nach unten korrigiert. Das Plus in diesem Jahr wird laut einer aktualisierten Konjunkturprognose des Fonds nur noch bei 3,2 Prozent liegen. Im April hatte der Fonds noch ein Wachstum von 3,3 Prozent vorausgesagt.

Die erneute Absenkung begründete der IWF unter anderem mit den Strafzöllen, die von den USA und China gegeneinander verhängt wurden. Durch US-Sanktionen drohten zudem globale Lieferketten im Technologiesektor unterbrochen zu werden, erklärte der IWF – offenbar in Anspielung auf den Konflikt zwischen der US-Regierung und chinesischen Technologiefirmen wie Huawei. Auch die vom Brexit ausgelöste Unsicherheit und die geopolitischen Spannungen in der Golfregion dämpften die Konjunkturperspektiven, hieß es.

Für das kommende Jahr kürzte der IWF seine Wachstumsprognose ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Dieser Wert sei jedoch kaum haltbar, falls die Handelskonflikte und Spannungen im Technologiesektor anhielten, hieß es. Mögliche neue US-Zölle im Automobilsektor könnten das Wachstum ebenfalls dämpfen.

Es sei eine „dringende Notwendigkeit“, Spannungen in den Bereichen Handel und Technologie rasch abzubauen, forderte der Fonds. Auch die Unsicherheit über die künftigen Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union müsste schnellstmöglich beseitigt werden. Ein ungeordneter Brexit könne die Weltwirtschaft belasten, hieß es weiter. 2018 hatte die Weltwirtschaft um 3,6 Prozent zugelegt.

Die Wirtschaft in der Eurozone wird 2019 aus Sicht des IWF unverändert um 1,3 Prozent wachsen. Für 2020 hebt der Fonds seine Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent an. Die Wirtschaft in Deutschland dürfte wegen schwächerer internationaler Nachfrage nach deutschen Produkten dieses Jahr um 0,1 Prozentpunkte langsamer wachsen, nämlich um 0,7 Prozent. Für das kommende Jahr prognostiziert der IWF eine Zunahme um 1,7 Prozent.

„Zölle ersetzen keine Gespräche“

Für Chinas Wirtschaft sagt der IWF in diesem Jahr ein Plus von 6,2 Prozent voraus, 0,1 Prozentpunkte weniger, als im April geschätzt. Für die USA hingegen hebt der IWF wegen des überraschend guten Jahresauftakts seine Konjunkturprognose für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent an. Für 2020 sieht der Fonds nach dem Auslaufen der Effekte der Steuerreform unverändert ein Wachstum von 1,9 Prozent.

Unter Anspielung auf die immer wieder von US-Präsident Trump geäußerte Kritik am Handelsdefizit der USA schrieb der in Washington ansässige IWF: „Länder sollten Zölle nicht einsetzen, um bilaterale Handelsbilanzen zu beeinflussen oder als Ersatz für Gespräche, um andere zu Reformen zu bewegen.“

Für Großbritannien prognostiziert der Fonds dieses Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent und von 1,4 Prozent im nächsten Jahr. Diese Vorhersage setze einen „geordneten Brexit“ voraus, gefolgt von einem stufenweisen Übergang zu einem neuen Handelsregime. „Jedoch ist die tatsächliche Form des Brexits bis Mitte Juli noch sehr unsicher geblieben.“ Und genauso die Auswirkungen auf Deutschland sowie die Weltwirtschaft.

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